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Familienbildung Hamburg - Bildung Begegnung Beratung Begleitung

Spirituelle Garküche

Die Spirituelle Garküche in der Evangelischen Familienbildung Eppendorf

Am Freitag, den 22.Juni 2018, luden wir unsere Lehrkräfte, ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und alle Kolleginnen zu einer Spirituellen Garküche ein.

Geplant war ursprünglich eine klassische Lehrkräftekonferenz mit anschließendem Sommerfest. Unter dem Motto „Gut und reich beschenkt“- im Format der Spirituellen Garküche - kam dann alles ganz anders…und es wurde richtig gut!

Inspiriert zur Spirituellen Garküche wurde ich durch einen Artikel von Pastorin Annegret Zander in der Zeitschrift der Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung mit dem Titel „Die Küche als Bildungsort“.

Annegret Zander schrieb so anschaulich darüber, wie das „gemeinsame Tun in der Küche Barrieren von Milieus, Sprachen, Kulturen und Alter überwinden kann“ und sich garantiert „nachhaltige und gegenseitige Bildungsprozesse ereignen“. Beim Schnippeln und Kreieren von kleinen Gerichten, die einfach herzustellen sind, entstehen die spannendsten Gespräche. Und es gibt neue Geschmäcker, weil ausprobiert werden darf. Das überzeugte mich, bieten wir doch selbst in unserem Haus der Evangelischen Familienbildung am Loogeplatz regelmäßig Kochkurse an. „Ein neuer Geschmack, eine neue Erkenntnis. Probieren Sie es aus“, so Annegret Zander.

Frau Zander, die selbst in Nordhessen lebt, schlug als Referenten und Begründer der Spirituellen Garküche, Christoph Riemer vom Hamburger Atelier für transmediale Projekte vor. Gemeinsam mit Susanna D`Amato durfte ich bei Christoph Riemer ausprobieren und in das Projekt hineinschnuppern. Das Ergebnis war, dass wir ihn „vom Fleck weg“ für unser Vorhaben engagierten. Die Konferenz wurde in Spirituelle Garküche umgetauft, das Sommerfest integriert und los ging`s.

Damit sich die Nachhaltigkeit von Anfang an einstellen konnte, sind einige Kolleginnen in den Genuss gekommen, vorab eine Fortbildung zum Prinzip der Spirituellen Garküche bei Christoph Riemer zu machen.

Am 22. Juni war es dann soweit. Christoph Riemer übernahm die Gesamtkoordination. Annegret Zander reiste zu seiner Unterstützung aus Hofgeismar an und die fortgebildeten Kolleginnen übernahmen die Essensplanung mit Aufbau der Garstationen (den Garküchen Bangkoks nachempfunden) in unserem Haus.

Von nachmittags bis in den Abend hinein zauberten wir kleine Gerichte in unseren Seminarräumen im Erdgeschoss, Haus 16.Die Räumlichkeiten hatten sich in anregende kulinarische Plätze verwandelt und wir wandelten uns mit ihnen.

Christoph Riemer verbannte kurzerhand das Wort „lecker“ aus unserem Wortschatz und forderte uns auf, auf kleine Zettel zu schreiben, was wir wirklich schmeckten. Dabei entstand ein Schatz an Beschreibungen: „Exotisch, schöne Schärfe, die sich langsam entfaltet“; „Sehr fruchtig, erdnussfrisch“; „Nach einem erdigen Nudelwald“; „Ein Feuerwerk im Mund“; „Es schmeckt erst warm und nach Nuss, dann ein bisschen bitter, am Ende erfrischend und nach Sommer“.

Wir nahmen uns Zeit, nachzuspüren und machten überraschende Geschmacksentdeckungen. Dabei sollte es nicht bleiben. Auch unsere Gespräche und Kontakte untereinander waren besonders. Es kamen Themen auf den Tisch, die man im Arbeitsalltag selten hat: das Essen in der eigenen Familie, der Hausgarten, Nachdenken über Gott und die Welt, Ideen für die Zukunft – privat und beruflich.

Auch Dankbarkeit darüber, womit wir „reich und gut beschenkt“ sind, entstand. So schrieben wir wieder, diesmal auf kopierte Papierteller: „Danke für den Abend – eine Einladung für Körper, Geist und Seele, für 48 Jahre den richtigen Lebenspartner, einen Sohn, der für uns kocht (…)“; „…für viele Kursteilnehmer*innen, die sich wohl im Kurs fühlen und mit denen es mir Freude macht, zu singen (…)“. „Ich bin dankbar, dass es meine Tochter gibt.“; „Danke, in diesem Haus sein zu dürfen.“; „Gut und reich beschenkt durch Vielfalt, durch Reichtum der Natur.“; „Dank für ein Leben in Frieden ohne Hunger, mit einem Garten (…) und dem wichtigen Thema, der Musik.“

So gingen wir reich und gut beschenkt nach Hause. Beschenkt haben wir uns gegenseitig. Das gemeinsame Miteinander-Tun, das Schnippeln, das Brutzeln, das Schmecken und die guten Gespräche werden - vielleicht nicht nur bei mir – noch lange nachwirken.

Liesel Amelingmeyer
Hamburg, den 26.Juni 2018